17.09.2021 | KurzMeldungen, KurzMeldungen Nordost

Umfrage nach dem Brexit

 „6 Monate Brexit-Abkommen - Folgen und Chancen für die norddeutsche Außenwirtschaft“: Norddeutsche Unternehmen stellen UK-Handelsbeziehungen teilweise ein

© Lupo / pixelio.de

Die IHK Nord hat im Juni eine Unternehmensumfrage zum Thema „6 Monate Brexit-Abkommen - Folgen und Chancen für die norddeutsche Außenwirtschaft“ durchgeführt. Hier sind die Ergebnisse zusammengefasst.

Beteiligt haben sich 248 Unternehmen aus Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit direkten oder indirekten Geschäftsbeziehungen mit Partnern im Vereinigten Königreich.

DIE AUSWIRKUNGEN AUF DIE PRAXIS
Gefragt nach den tatsächlichen Brexit-Auswirkungen gaben immerhin 37 Prozent der antwortenden Unternehmen an, ihr UK-Geschäft reduziert oder vorübergehend eingestellt zu haben, um die weiteren Entwicklungen abzuwarten. Auf der anderen Seite wirkte sich das endgültige Ausscheiden des Vereinigten Königreiches aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion auf die Geschäftstätigkeit von fast 60 Prozent der Unternehmen im Norden nur wenig bis gar nicht aus. Rund 3 Prozent haben ihre Aktivitäten seitdem ausgebaut und 1 Prozent gab an sein UK-Geschäft dauerhaft eingestellt zu haben.

DAS UK-GESCHÄFT IN 12 MONATEN
In die Zukunft sehen die beteiligten norddeutschen Außenwirtschaftsunternehmen überwiegend pessimistisch. Mit Blick auf die kommenden 12 Monate erwartet fast jedes zweite Unternehmen (46 Prozent) eine eher ungünstige Entwicklung des UK-Geschäfts. 45 Prozent der Antwortenden gehen von gleichbleibenden Verhältnissen aus. Lediglich 5 Prozent erwarten eine eher günstige Entwicklung.

BEGRENZTER ERFOLG DES „EU-UK TRADE & COOPERATION AGREEMENT“ FÜR DIE PRAXIS
Trotz des Abkommens offenbaren sich zunehmend administrative Zusatzbelastungen, insbesondere durch erforderliche Zollanmeldungen und -kontrollen auf beiden Seiten des Ärmelkanals.
Die aktuell größten Belastungen für ihr UK-Geschäft sehen die Unternehmen in den aufgrund der neuen Zollgrenze entstandenen Handelshemmnissen in Form von Zollformalitäten und gestiegenen Frachtraten. Und dass, obwohl das Zollregime des Vereinigten Königreiches erst zum 1. Januar 2022 vollständig umgesetzt werden soll und somit weitere Probleme in den Lieferketten absehbar sind. Steigende Rohstoffpreise, zunehmende regulatorische Unterschiede bei Produktstandards sowie Rechtsunsicherheiten beim Abschluss von Verträgen und Forderungsvollstreckung behindern die norddeutsche Wirtschaft in ihrer täglichen Praxis im UK-Geschäft.
Die wirtschaftlichen Schäden wären ohne einen „Deal” wesentlich massiver gewesen. Dennoch sieht sich die Mehrzahl der Unternehmen trotz Freihandelsabkommen mit erheblichen Problemen an der neu entstandenen EU/UK-Zollgrenze konfrontiert. Sowohl bei der Einfuhrabwicklung in die EU bzw. in das Vereinigte Königreich als auch bei der Ausfuhr entstehen auf beiden Seiten des Ärmelkanals erhebliche Störungen in den Lieferketten.
Jedes dritte teilnehmende Unternehmen im Norden gibt zudem an, nicht von den im ”Brexit-Deal” vereinbarten Vorteilen zu profitieren. Einem weiteren Drittel ist eine Antwort auf diese Frage nicht möglich bzw. die konkreten Vorteile für die Praxis unbekannt. Immerhin nutzen rund 30 Prozent der Antwortenden die in dem Abkommen vereinbarten Zollpräferenzen für Ursprungswaren.

Quelle: IHK Schwerin
Pressemitteilung der IHK Nord


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